Also ehrlich gesagt hatte (nicht nur) ich kaum gedacht, dass der selbst ernannte "Prince Of Darkness" die Kurve nochmals kriegt. Das letzte Album «Black Rain» von 2007 kommt zwar mit etwas Distanz deutlich besser rüber als damals, was ja noch oft der Fall ist, aber es entwickelte nicht den nötigen Schub, den sich Ozzy davon versprach.
Drei Jahre später hat sich nun vor allem eine Sache geändert: Ozzy hat wieder einen neuen Gitarrero! Was plötzlich als Gerücht die Runde machte, von wegen dass der langjährige Weggefährte Zakk Wylde nicht mehr erwünscht sei, bestätigte sich tatsächlich. Und dann fragte sich natürlich die ganze Welt, wer denn der Nachfolger der Herren Rhoads (R.I.P.), Gillen (nur live), Lee, Holmes (nur live) und Wylde werden würde!Das Rennen machte schliesslich mit einiger überraschung der Grieche Gus G., der bekanntlich mit seiner eigenen Band Firewind die Metal-Szene schon eine Weile bereichert.
Das Resultat dieser neuen Konstellation heisst nun «Scream» und darf getrost als eine Art Wiederauferstehung betrachtet werden. Der Madman selber berichtet in Interviews, dass es das erste Album überhaupt sei, welches er nicht in benebeltem Zustand aufgenommen hat! Diese Einschätzung bestätigt sich ziemllich schnell, denn der gute Ozzy klingt vitaler denn je. Auch soundmässig geht die Post ziemlich heftig ab, da der geniale Bass-Sound (von einem Typ namens Blasko eingespielt) des Openers «Let It Die» schon mal aufhorchen lässt.
Was auch gleich auffällt, ist die wie bei Zakk Wylde runter gestimmte Klampfe von Gus G., die sich bei Firewind anders anhört. Da nebst Ozzy wieder Kevin Churko an den Knöpfen gedreht hat, erstaunt das nicht wirklich. Der Gesang wirkt aber von Beginn weg kräftig wie variabel, die Guitar-Soli tauchen häufiger auf und bringen mehr Melodien ein. Interessant auch, wie das zu Beginn sehr zähe und düstere «Soul Sucker» nach einer kurzen Bridge plötzlich Fahrt aufnimmt, ehe das Grundthema fortgesetzt wird. Das zeichnet eigentlich die ganze Scheibe aus, will heissen, dass die Arrangements durchdacht wirken und man immer neue Feinheiten entdeckt.
So nach zu hören bei «Life Won't Wait», wo sich akustischer und elektrischer Sound bestens ergänzen, wobei man den einen oder anderen Part auch schon mal anderswo gehört hat. Das gleiche Schema weist «Diggin' Me Down» auf, wo anfänglich liebliches Gezupfe nahtlos in ein schweres Riff übergeht.
Meine persönliche Highlights sind das groovige «Fearless», die typische Halbballade «Time», wie sie eben nur Ozzy hinkriegt und der etwas von den Beatles inspirierte Abschluss-Track «I Love You All», der leider nur gerade eine Minute dauert. Insgesamt fehlen allerdings die wirklich herausragenden Songs, aber «Scream» bewegt sich durchgehend auf höherem Niveau und fällt nie wirklich ab. Und eben Leute, hört Euch mal diesen wuchtigen Bass-Sound an!
Rockslave 8.5 von 10
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